Chronik des Fahrradhaus Wagner

Mitte der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte der Werkzeugmacher Georg Wagner eine Geschäftsidee: er träumte vom Aufbau eines Fahrradgeschäftes mit Werkstatt in dem kleinen Laden und dem angrenzenden Schuppen neben seinem Haus. Zwar war Georg Wagner bei den Adlerwerken beschäftigt, doch fand er eine Möglichkeit, seine Idee nach und nach in die Tat umzusetzen. Denn neben den Fahrrädern gehörten damals auch Nähmaschinen und Kinderwagen fest zum Sortiment eines Fahrradhändlers. Und so zog Georg Wagner mit dem Bauladen von Tür zu Tür, um Nähmaschinen und Ersatzteile zu verkaufen. Nachdem er sich durch viele Mühen eine gute Existenzgrundlage geschaffen hatte, hörte er schließlich bei den Adlerwerken auf und gründete 1929 das Fahrradhaus Georg Wagner zusammen mit seiner Frau Anna.

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Georgs Sohn Wilhelm trat Ende der Dreißiger Jahre ebenfalls eine Lehre zum Werkzeugmacher an, die er mit Erfolg abschloss. Der Zweite Weltkrieg verhinderte jedoch Wilhelms sofortigen Eintritt in das Geschäft des Vaters. Erst nach Ende des Krieges und Wilhelms gesunder Rückkehr zur Familie führten Vater und Sohn das Unternehmen gemeinsam. Wilhelms frisch angetraute Ehefrau Erna begann nun auch, im Familienunternehmen als Verkäuferin mitzuarbeiten. Wilhelm Wagners eigentliche Leidenschaft waren jedoch nicht Fahrräder, sondern Motorräder. Und so stand für ihn fest, dass er auch Motorräder im Geschäft anbieten musste. Dazu besuchte Wilhelm Wagner zahlreiche Lehrgänge bei verschiedenen Motorradherstellern und eignete sich die nötigen Kenntnisse rasch an. Doch der kleine Fahrradladen und die winzige Werkstatt waren mittlerweile zu klein geworden, als dass die Firma noch weiter wachsen konnte. Also entschloss sich die Familie Anfang der 1950er Jahre, Laden und Werkstatt abzureißen und durch einen größeren Neubau zu ersetzen. 1953/1954, pünktlich zum 25jährigen Geschäftsjubiläum war es dann soweit – der Neubau, so wie er bis heute existiert, wurde fertig gestellt und bezogen. Der Sortimentvergrößerung stand nun nichts mehr im Wege.

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1962 starb Georg Wagner, fünf Jahre später seine Frau Anna. Wilhelm und Erna Wagner führten das Geschäft nun zu zweit. Als dann 1979 viel zu früh und unerwartet Wilhelm Wagner an einem Herzinfarkt starb, stand die Zukunft des Unternehmens auf der Kippe. Doch Günter Hense, der Ehemann von Ernas und Wilhelms Tochter Inge, erklärte sich bereit, die Werkstatt weiterzuführen und sicherte damit den Fortbestand des Familienunternehmens.

Als 1999 Inge Hense starb, stand die Familie erneut vor der Frage, ob und wie es weitergehen kann. Der Sohn von Inge und Günter Hense, Marc übernahm daher Anfang 2000 das Unternehmen von seiner Großmutter Erna Wagner. Mit viel Engagement und neuen Ideen wurde innerhalb der folgenden Jahre das Geschäft umgehend modernisiert, die Verkaufsräume umfassend renoviert, die Werkstatt vollständig umgebaut und an die neuesten Anforderungen angepasst. Bis Ende 2006 half Erna Wagner noch täglich im Betrieb aus ehe sie sich aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen aus dem Unternehmen zurückzog. Erna Wagner starb 2012 im hohen Alter von 89 Jahren in der Gewissheit, dass das Familienunternehmen, das ihr Schwiegervater aufgebaut hatte und in dem sie zusammen mit ihrem Ehemann, mit ihrem Schwiegersohn und mit ihrem Enkel über 62 Jahre hinweg gearbeitet hatte, in der mittlerweile vierten Generation der Familie fortgeführt wird.

Durch das familiäre Ambiente und das zukunftsorientierte Sortiment sind die Kunden der Firma Wagner auch nach über 85 Jahren Firmengeschichte nach wie vor hervorragend aufgehoben.